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Die Trinktemperatur und andere Geheimnisse (chambrieren, dekantieren und Depot)


Das Thema Trinktemperatur wird oft zu einer halben Wissenschaft hoch stilisiert. Richtig ist, dass die Temperaturgeschichte eine höchst individuelle ist. Nicht selten hört man in Restaurants: " Mir ist der Wein zu kalt" oder "Könnte noch etwas kühler sein". Allein aus solchen Kommentaren lässt sich leicht ableiten, dass jeder Mensch ein sehr subjektives Temperaturempfinden hat.
Amerikaner beispielsweise sind berüchtigt dafür, dass sie ab und an noch einen kleinen Eiswürfel in ihren Rotwein werfen. Sie genießen aus kulturellen und klimatischen Gründen ganz einfach viele Getränke kalt. Italienern dagegen ist es oft vollkommen egal ob ihr Rotwein "richtig" temperiert ist, oder ein paar Grad zu viel hat. Sie trinken ihn einfach, wenn sie Lust auf Rotwein haben.
Den echten Weinexperten schüttelt es natürlich angesichts solcher Entgleisungen. Deutsche , Franzosen und Engländer machen eine Wissenschaft aus der richtigen Trinktemperatur. Was ist also richtig?

Allgemein könnte man sagen, dass ein warmer Wein viel eher seine Geschmäcker und Aromen freigibt, als ein gut gekühlter. Das ist Physik. Auch der größte Weinkenner wird dem nicht wiedersprechen. In warmen Flüssigkeiten sind alle Atome und Molekühle viel beweglicher als in kalten. Daraus folgt, dass warmer Wein viel eher die meisten seiner natürlichen Duft - und Geschmacksstoffe freigibt, als kalter.
Sollten sie also irgendwann auf einer Flasche lesen "eiskalt genießen" tun sie das. Warm ist das Zeug meist so übel, dass sie es gar nicht trinken wollen.

Merken sie sich einfach folgende Faustregel. Rotwein wird bei "Zimmertemperatur" getrunken und Weißwein sollte vor dem Trinken etwas im Kühlschrank liegen (8-12°C).
Der Begriff "Zimmertemperatur" ist hier auf gar keinen Fall wörtlich zu nehmen. Der ist aus unserer kühlen Vergangenheit übrig geblieben. Damals, als Wohnräume nicht angenehm warm waren, sondern eher leicht temperiert. So zwischen 15-18°C. Bei solchen Zimmertemperaturen könnten sie heute jeden Vermieter verklagen und würden Recht bekommen. Nennen wir es also Kellertemperatur. Der Experte verwendet in dieser Angelegenheit, dem Heizen und Kühlen von Wein, den Begriff "Chambrieren" (franz. chambre = Zimmer).
Es kommt ebenfalls immer gut an, wenn sie das Glas Rotwein mit den Händen etwas anwärmen. Dieses Procedere wird von Fachleuten mit dem Begriff "chaleur de la main" genannt. Es bezweckt nichts anderes, als den Wein, der offensichtlich zu kühl ist, etwas anzuwärmen. Und es sieht professionell aus.


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