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RALF ZACHERLHier ein kleines Video
Pralinen aus dem Nichts und Hausfrauenliebling
Das hört
sich gut an und erklärt auch einiges ganz plausibel: Ralf Zacherl,
Sohn einer Gastronomenfamilie, hat den Kochberuf gelernt, weil es eben
ziemlich naheliegend ist. Den "Gastronomensohn" tauft er selbst
schon einmal um in "Kneipenkind" und erzählt von der
Kneipe, den Eltern, frühen Leidenschaften und der Schulzeit.
Ins Gymnasium
wollte er trotz bester Zeugnisse nicht, weil die ganzen Freunde zur
Realschule gingen. Dort schwappte der vorherig gute Notenspiegel erst
einmal eine gehörige Portion in Richtung Ebbe.- Und jetzt sind
wir auch schon mitten drin in einem scheinbar "stinknormalem"
Leben, wo sich irgendwo jeder von uns wieder findet. Zum Realschulabschluß
hin hatte er die Sache mit den Noten wieder ins rechte Lot gebracht
und der Wunsch der Eltern, einen Kaufmann in der Familie zu haben -
vorzugsweise ausstaffiert mit Fachabi- klang zwingend als Bedrohung
und so war es zunächst eine Trotzreaktion, als Ralf Zacherl in
einem Wertheimer Hotel die Kochlehre begann.
Kochen ist eigentlich
was Simples" und "du mußt halt das entsprechende Gefühl
für die Verarbeitung von Lebensmitteln inne haben". Kurz gesagt:
Die Liebe am Kochen, Kreieren, Ausprobieren - das muß ganz einfach
da sein, sonst klappt es eh nicht. Besondere Neigungen/Vorlieben/etwas
Prägnantes zu seiner Kochphilosophie? "Aus Scheiße kann
ich Pralinen machen", soll heißen: aus wenigen und/oder einfachen
Zutaten fabriziert er köstlich-Leckeres, frappierend-Überraschendes.
Das zeichnet
einen Kreativkünstler aus, einen, der überzeugt ist von seinem
Tun. Und dazu findet er, daß er ein "ausgesprochener Koch
für die Hausfrau ist". "Ich kann mit Hausfrauen richtig
gut kochen, die "normalen" Rezepte, die in unsere moderne
Zeit und reales Alltagsleben passen, nachvollziehen." Ein Kick
Ralf Zacherl hinzu - fertig ist die begeisterte Hausfrau. Sterne, Kochlöffel,
Kochmützen und diese ganze Gourmet-Auszeichnungs-Philosophie ist
für ihn kein primärer Antriebsmotor.
Kochen macht Spaß
und wir alle wissen ja längst "Es muss nicht immer Kaviar
sein." Außerdem hat er einen Michelin-Stern schon im Alter
von 26 Jahren bekommen. Als junger Küchenchef im "Grauen Haus"
in Oestrich-Winkel. Doch bevor es soweit war, hat er nach abgeschlossener
Berufsausbildung zunächst Station bei "Papa crazy" Stefan
Marquard gemacht. Kreativ, durchgeknallt und frei von irgendwelchen
Konventionen, Kochregeln. Wobei er doch sicher einige Marquardsche "Regeln"
mit auf den Weg bekommen hat: ein Küchenleben, das ohne Chili,
Zucker, Rosmarin, Olivenöl, Knoblauch und Vanille grundsätzlich
nicht auskommt und Obst mit Fleisch gepaart als perverse Attacke für
die Geschmacksnerven bezeichnet. Und vielleicht auch, dass schwarze
Teller, große Tomaten und Sardellen die Richtung von "pfui
Teufel" anpeilen. Dafür aber bestimmt sind ihm alle Geschmacksnuancen
von Kutteln rauf und runter bestens vertraut. Die folgende Station im
"Grauen Haus" war gute Grundlage für die regional-veredelte
Küche; die Verkupplung von einfachen Grundzutaten mit Luxusprodukten
und natürlich die traditionellen Gar-und Schmortechniken bis hin
zum eff eff.
Jenes "Graue Haus"
überings war das älteste noch erhaltene Steingebäude
Deutschlands und "Witwensitz" derer von Greiffenclau. Erwein
Graf Matuschka-Greiffenclau, zu Lebzeiten eine schillernde und optisch
imposante Persönlichkeit vermittelte Ralf die Bedeutung der Harmonie
von Speisen und Wein. 1995 ging die kulinarische Wanderreise dann zu
Harald Wohlfahrt, in die Schwarzwaldstube- Traube Tonbach und 1997 schließlich
zurück in das "Graue Haus", wo ihm, wie schon erwähnt,
im ersten Küchenchefjahr der Michelin Stern verliehen wurde.
Das tragische Ableben
des Herrn Grafen beendete damit diese erfolgreiche Station und ein Jahr
später fand man ihn dort wieder, wo man einen jungen Sternekoch
sicher am allerwenigsten sucht: Im Robinson Club Athenee Palace auf
Djerba. Otto Koch hatte ihn zu dieser neuen Herausforderung überredet
und bereits nach kurzer Zeit war ihm klar, daß diese Stelle keine
Einrichtung für die Dauer sein könnte. Motivierende Freunde
vor Ort ließen ihn aber nahezu ein Jahr dort und natürlich
auch die neu entdeckte Freude, sich besonderen Herausforderungen zu
stellen und das Positive darin als Antrieb zu begreifen.
Das Angebot, kulinarische
Großdimensionen als Küchenchef erstklassig zu realisieren,
brachten ihn dann 1999 nach Deutschland zurück; genauer gesagt
in die Hauptstadt Berlin. Auch größte Gastronomen verzetteln
sich zuweilen in großen Dimensionen und so stand der sympathische
Küchenkünstler schneller als erwartet vor geschlossenen Arbeitgebertüren.
Vom März 2001 bis Dezember 2003 war Ralf Küchenchef in der
Weinbar Rutz.
Nicht jeder Sternekoch
kann sich an ein alltagstaugliches Konzept herankochen und damit in
kürzester Zeit noch Lorbeeren ernten. Ralf Zacherl aber kann das.
Nie einfach nur "experimentell", sondern mit einer gehörigen
Portion Raffinesse kreiert er seine Gerichte, die aus einer räumlich
kleinen Küche kamen. Ralf ist ein absoluter Situationsmensch und
weiß, was er kann. Vorsichtig allerdings war er in Sachen Fernsehen.
"Ich und ins Fernsehen? Dafür bin ich völlig ungeeignet".
Nachdem er nach acht Castings die Fernsehgeschichte schon abgeschrieben
hatte, kam im Dezember 2002 die Zusage. Ralf kann ganz vielen Menschen
seine ureigene Freude am Kochen vermitteln. Ganz schön aufgeregt
war er, als er bei der Pressekonferenz des Senders im Januar 2003 auf
die Bühne musste. Voller Stolz schaute ich zu. Und obwohl man mit
Menschen wie Ralf Zacherl am besten grundehrlich umgeht, behielt ich
einen Gedanken damals für mich: Ins Fernsehen zu kommen ist viel
leichter, als darin zu bleiben. Sei´s drum. Motivation ist das
halbe Leben. Sich nicht zu verbiegen und einen Weg zu gehen, an den
man selber glaubt, sind wichtige Faktoren für den Erfolg. Nicht
zuletzt gibt es so etwas wie ein Versprechen: Wir halten zusammen. In
guten und in schlechten Zeiten.
Sedcard
von Ralf Zacherl (PDF)
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