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Wolfgang Müller

Voller Lebensfreude und fest entschlossen

Ein Rundgang durch die Bar, das Bistro, wo es schon ab morgens mit köstlichen Frühstücksangeboten los geht, und dann hinauf ins „Schmuckstück“, das Gourmetrestaurant. Daneben Banketträumlichkeiten und viel Platz für Feiern aller Art. – Flair und Atmosphäre und ein bißchen Uriges spiegelt sich in allen Ecken wieder. Auf jeden Fall ist noch eines ganz sicher: sieht nach viel, viel Arbeit aus und so ist es wohl auch in der Tat. Das macht Wolfgang Müller jedoch relativ wenig aus. Im Gegenteil: das „Adermann“ möchte er so richtig in Schwung bringen; mit voller Kraft und ganzem Herzen. Beste Grundlage hierfür sind sein gastronomisches Organisationstalent – hart erprobt durch „Bühlerhöhe-Zeiten“- eine große Liebe zum Beruf und eine nicht minder positive Einstellung zum Leben. Vielleicht ist diese Basis auch so etwas wie Vitamine für jemanden, der sein heimisches Bett nur kurzfristig besuchen kann. Vollste Arbeitsleistung fordern nun mal Kraft, Vitalität und den unerschütterlichen Glauben, das einzig Richtige zu tun.

Er erzählt von seinem Parkettboden im Gourmetrestaurant, der im übrigen einer der ältesten in Berlin ist und nun durch einen Glasboden überzogen ist. Und auch von seinen Visionen, wieder einmal nach Asien zu fliegen - schauen, was man von dort dann in die Küche einfließen lassen kann. Dazu fällt ihm Nepal, Tibet und ein Kloster ein; einen Traum, den er sich schon vor zwei Jahren erfüllt hat. Kulinarische Extravaganzen hat er sicher dort nicht geboten bekommen, aber zumindest den Eindruck, daß man sich bei Hunger auch auf banale Dinge wie Reissuppe freuen kann. „Ach, und eigentlich kann er überall Urlaub machen, wichtig sind halt die Menschen, das Land.“

Da Wolfgang Müller aber in seinem Leben bislang mehr gearbeitet hat als das er Urlaub gemacht hätte, verfolgen wir seine Laufbahn, wo er also begann, den Beruf des Metzgers zu erlernen. Nach vier Monaten Praxis im Ravensburger Schlachthof begab er sich dann erneut in die Lehre; diesmal zum Koch (auf den Beruf bezogen: „Ich kann mir nichts geileres vorstellen, als zu kochen“). Nach der Bundeswehrzeit dann drei Monate in der Schweiz, danach ins Gourmetrestaurant „Alte Stadtmühle“ in Schopfheim, anschließend ins Gourmetrestaurant „Imperial“ im Schloßhotel Bühlerhöhe und vor der Meisterschule in Heidelberg machte er noch Station als Souschef im Hotelrestaurant „Adler“ in Pfullendorf.
Acht weitere Jahre verbrachte er danach wiederum im „Imperial“, Schloßhotel Bühlerhöhe, angefangen vom Souschef bis hin zum Küchenchef und letztlich als Executive Chef. Vom Gewinn des deutschen „Prix Culinare de Taittinger“ bis hin zur zweifachen Verleihung des „Five Star Diamond Award“ und auch dem „Prix Culinaire des Regiones Europeanes“ hat er sich noch manch andere Auszeichnungen verdient. Einen Michelin Stern und 18 Gault Millau Punkte für das Restaurant „Imperial“ sowie 15 Gault Millau Punkte für das Schloßrestaurant in der „Bühlerhöhe“ lassen normalerweise niemanden nach neuen Perspektiven Ausschau halten. Doch wie das Leben manchmal so spielt: Unverhofft kommt oft und so waren Aussichten auf eine Neueröffnung mitten in Berlin und auch die Verantwortung für sämtliche erforderliche Planungen ein Schubs in Richtung weiterbringende Zukunft. Glänzend geschilderte und wohl geplante Erfolgsaussichten seitens eifriger Finanziers sind trotz sorgfältiger Überprüfung dennoch mit Skepsis und Vorsicht nur genießbar. Das weiß er heute. Eine Erfahrung reicher und dennoch einen Positiverfolg ärmer – zunächst einmal – werfen Arbeitstiere wie Wolfgang Müller nicht gleich aus der Bahn. Und um so glücklicher ist er nun auch mit seinem „Baby“, dem „ADERMANN“, wo er 2001 den Gastro Award „Edelste Küche“ in Berlin auf sein schon beachtliches Erfolgskonto verbuchen konnte. Na also.
Kunsthofmenüs, Adermannmenüs oder wie auch immer seine kulinarischen Angebote getauft werden; Fazit: etwas wie „Köche machen glücklich“. Spätestens dann, wenn wieder Lob zu ihm durchdringt, dann freut er sich. „Er“, der sich keinesfalls verbiegt und ohne Umschweife seine Liebe zum Leben offenbart und einen sehr genügsamen und aber gleichermaßen Genuß-liebenden Eindruck hinterläßt.

Motorrad fahren, Musik hören, hier und da mal auf Konzerte gehen...perfekte Basis, das Leben zu genießen und Wunsch Nummer eins neben der Erhaltung der Gesundheit ist damit auch der Erhalt seiner Lebensfreude. Wenn´s der Natur über kurz oder lang etwas besser ginge wäre das super, ansonsten ist es ihm ein Anliegen, diese auf jeden Fall zu erhalten. Ein „Bayer“, der lange Zeit seines Berufslebens im Schwarzwald verbrachte und nun in der Großstadt seinen neuen Aktionsradius gefunden hat, nimmt man diesen Wunsch ohne nachzudenken ab. Und zur Natur kommen natürlich auch Gedanken auf wie „Bäume“, „Wiesen“, „Tiere“ oder auch Pferdekoppeln. Achtung beim zuletzt Genannten: Hier haben Sie einen geeigneten Partner zum „Pferde stehlen“. Aber das geht bei ihm auch in jeder anderen Lebenslage.

Besonders liebe Menschen erfahren im Leben Niederschläge und gerade hier fragt man sich: Muß das denn so sein? Sicher wissen Sie es längst: Das Adermann hat seit Sommer 2002 die Türen geschlossen.

Da steht ein Ausnahmetalent wie Wolfgang Müller schon wieder einmal ganz am Anfang. In nur kurzer Zeit hat er wieder so viele Anhänger seiner Küche gefunden und arbeitete auch noch über ein halbes Jahr, als Arbeitgeber-Gelder ausblieben. So ist er wieder auf der Suche! Wolfgang Müller, der seit Bühlerhöhe-Zeiten „kulinarischer Ziehvater“ so vieler talentierter Köche wurde, wird seinerseits ohne jede Frage wieder viele Genußmenschen ins Schwärmen versetzen. Auch wenn die gastronomische Lage nicht ganz rosig ausschaut: Wir erfahren bald mehr darüber, wie und wo es mit Wolfgang Müller weiter geht.
Fakt ist: Er ist nur noch in gute Hände abzugeben!

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