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Frank Schicker

Der Traum vom Kochen und vom Schlemmen

Einer der bekanntesten Söhne der nordhessischen Kleinstadt Melsungen heißt Frank Schicker. Der wiederum dreht seiner Heimatstadt im Alter von 16 Jahren den Rücken, um das zu lernen, was er für sein größtes Talent hält: kochen.

Die Eckdaten seiner "Tour de force": hunderte gefahrene Kilometer zu einigen der besten Adressen in Deutschland und Europa, meist ziemlich kurze Nächte, um das Ereignis "Haut Cuisine" von der Pike auf zu lernen und natürlich nicht zuletzt der unerschütterliche Glaube, das einzig Richtige zu tun.

Und so fing alles an:
Er absolviert zunächst einmal in Göttingen die Ausbildung zum Koch, die er nach 2 Jahren als Prüfungsbester beendet.
Anschließend geht er zunächst in die Schweiz, über Lorcano kommt er dann nach Mailand, wo der berühmte Drei-Sterne-Koch Gualtiero Marchesi ihm neben Kreativität in der Küche auch die weltweit geschätzte "Italianà" beibrachte: Gastfreundschaft trifft unbändige Lebensfreude.

Seine nächste Adresse hieß Heinz Winkler, der seinen jungen wie talentierten Schüler zunächst einmal in die heiße Sommersaison in das Nobelrestaurant "Tristan" auf Mallorca schickte. Dort ließ er sich selbst von den Wünschen des spanischen Königs nicht verunsichern, meisterte seine Aufgaben als Patissier bravourös und durfte dann "zum Lohn" tatsächlich ins ehrwürdige Tantris nach München zurückkommen. Auf seinem Posten als Entremetier lernte er neben feinsinnigen Geschmacksverkupplungen, dass gutes Kochen vor allem von der Qualität der Produkte abhängig ist und konnte sein Händchen für beste Produktqualität seinerzeit als Chefeinkäufer schon früh unter Beweis stellen. Mit seinerzeit 21 Jahren war er Vorgesetzter von wesentlich älteren Kollegen.

Nun ist er wieder zurück in seiner Heimatstadt Melsungen, die zuvor niemals Erwähnung fand in den kulinarischen Führern. 1993, erst 27 Jahre alt, eröffnete er hier sein eigenes Restaurant, die "Alte Apotheke" in einem historischen Fachwerkhaus mitten in der Altstadt. Viel Detailliebe steckt in diesem stilecht eingerichtetem kulinarischen Refugium und natürlich praktiziert er hier das, was ihn seinerzeit in Italien so faszinierte: Gastfreundschaft trifft unbändige Lebensfreude.
Wie jeder souveräne Gastgeber bezeichnet Frank Schicker seine Küche als "unkompliziert", schließlich erklärt er dieses Understatement damit, dass er hier seine mediterrane Küche kocht und viel Regionales mit einfließen lässt. In Melsungen - wie vielen anderen Ortes auch- dominieren konservative Strukturen "da möchte ich die Leute nicht vor den Kopf stoßen". Ein Wunsch von ihm in Sachen Spitzengastronomie lautet daher auch "Schön wäre es, wenn sich das Bewusstsein der Gäste dahin gehend vergrößert, mit welchem Zeit-und Finanzaufwand wir diese Küche betreiben." Mit "wir" meint er die Köche der Spitzengastronomie allgemein. Frank Schicker ist so jemand, der wenig von sich selbst erzählt, dafür aber viel mehr zum Thema "kochen", seinen südländischen Kräutern, den selbst gemachten Trüffeln - letztgenanntes hat sich mittlerweile zum regelrechten "Renner" konstruiert.

Obwohl sein Leben - zeitlich gesehen- ziemlich ausgefüllt ist, hat er noch eine Menge Visionen und Träume: Neben der wichtigen Gesundheit wünscht er sich, der Liebe seines Lebens zu begegnen, irgendwann einmal in den Weinbergen Südeuropas ein Restaurant zu besitzen und natürlich auch mal Urlaub zu machen: auf einer Insel - ohne Telefon. Zwei Monate um die Welt zu segeln und Genuss und Lebensart selbst zu leben. Das bedeutet natürlich: Zeit dafür zu haben. Wer mit 27 Jahren selbständig wird, hat auch gelernt, was es bedeutet, persönliche Liebe am eigenen Tun mit den kulinarischen Realitäten mitten in Nordhessen in harmonischen Einklang zu bringen. Für seine Gerichte wie bretonischen Steinbutt auf getrüffeltem Kartoffelpüree, mallorquinischen Mandeltorte mit Feigenmarmelade und Mandeleis oder auch Kalbsfilet auf Tomatenmarmelade mit Zucchini-Lasagne lieben ihn die Leute mittlerweile. So gesehen liegt das Mittelmeer ziemlich nah. Und ebenso ist im die Operation "Liebe geht durch den Magen" auch richtig gut gelungen.











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