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Copyright Martin Hoffmann



DIETER MÜLLER

Drei Sterne und Großportionen Sympathie
Der Botschafter der neuen deutschen Küche

Einen der besten Köche dieser Welt, ein Kreativgenie und gleichermaßen ein erstaunliches Organisationstalent vorzustellen, ist ein Kinderspiel. Über einhundert Portaits genialer Küchenchefs und Nachwuchsköche sollten Basis sein, dieses Portrait in Null-Komma-Nichts fertig zu stellen. Aber gerade dieses stellt sich nun als ein Problem heraus, denn wie stellt man jemanden vor, der eigentlich schon alles erreicht hat und sich trotzdem immer wieder neuen Herausforderungen stellt?

Superlative mit Küchenkunst zu erringen, bedarf neben harter Arbeit, einer enormen Portion Fleiß und Durchhaltevermögen auch noch ein schier unbegrenztes Talent – und nicht zuletzt natürlich eine große Liebe zum Beruf.

Alles, was man nur erreichen kann, hat Dieter Müller erreicht. Als erster Deutscher bekam er die Traumbewertung von 19,5 von 20 möglichen Punkten im Gault Millau, war Koch des Jahres beim Gault Millau, ebenso Koch des Jahres von der Champagnerfirma Krug und auch beim Magazin "Der Feinschmecker". Schon 1989 wurde er von Gault Millau unter die 16 besten Köche dieser Welt gewählt und ist seit 1997 mit drei Michelin Sternen ausgezeichnet.

Bescheiden sagt er "Ich glaube, ich habe das Richtige getroffen" und fügt sogleich hinzu "Ich bin meinem Vater sehr dankbar dafür". Der nämlich riet ihm seinerzeit zu einer Kochausbildung, die er 1966 mit einer Auszeichnung abschloss. Zwei Jahre blieb er dann im elterlichen Betrieb und während der anschließenden 18-monatigen Bundeswehrzeit wurde er schon nach einem halben Jahr für die beste Bundeswehrküche ausgezeichnet. 1971 zog es Dieter Müller in die Schweiz, zu Altmeister Ernesto Schlegel ("Das war für mich die Geburt des Kochs") Dort ließ ihn die Faszination am Kochen und Kreieren nicht mehr los: von morgens um 9 bis nachts um 2 stand er dort in der Küche und mußte dort – wie jeder Schüler – für die Kollegen kochen. Der Lehrmeister konnte es gar nicht fassen – so was hatte es bei ihm noch nicht gegeben. Mit so viel Liebe zum Detail servierte er gleich drei Gänge für das Personal. Seinerzeit die Nr. 1 der Gourmetadressen in der Schweiz war der "Schweizer Hof"; Dieter Müllers nächste Station, bevor es dann für kurze Zeit nach Korfu ging. Jörg, sein älterer Bruder, holte ihn dann in die Schweizer Stuben nach Wertheim und bereits ein Jahr später glänzte der begehrte Michelin Stern über dieser Adresse. Drei weitere Jahre gingen ins Land und Stern Nummer zwei folgte.

Ganze siebzehn Jahre blieb Dieter Müller dort und ein Vertrag mit der Ritz-Carlton-Gruppe aus Amerika war nahezu perfekt, als das Angebot kam, sich doch einmal das Schloß Lerbach anzusehen. So etwas wie Liebe auf den ersten Blick muß es wohl gewesen sein; er blieb und seit 1997 zählt er nun zu den 3-Sterne-Ausnahmeköchen.

Zweifelsohne ist entscheidendes Rüstzeug seiner erstklassigen Küche das hinzugefügte menschliche Prinzip von "silence must be heard". Jenes Kunststück, im Vordergrund zu stehen, ohne sich hinein zu drängen. Ruhig und gelassen zu bleiben, auch wenn es noch so hoch her geht.

So hat Deutschland mit Dieter Müller nicht nur einen Lieblingskoch, sondern gleichermaßen ein Vorbild für so viele junge Talente. Darum macht er sich persönlich auch Gedanken: den Nachwuchs weiter zu fördern, damit das "Eisbein-Sauerkraut-Image", das der deutschen Küche noch immer ein wenig anhängt, irgendwann einmal ganz verdrängen zu können. Das alte Sprichwort, die Küche ist auf jeden Fall immer so gut wie ihre Mannschaft, kann Dieter Müller nur bestätigen. Diese mit viel Fingerspitzengefühl zusammen zu stellen, ist extrem wichtig.

Die Tatsache, daß Dieter Müllers Küchencrew komplett ist, zeigt eher den Ausnahmezustand an, denn an gutem Personal kränkelt es leider noch immer in der Branche. Eine perfekt geführte Gourmetküche heißt neben Organisation bis hin ins kleinste Detail auch: ein knallharter Knochenjob. Diese Arbeit und gleichermaßen Verantwortung mit Leichtigkeit zu versehen, geht nicht ohne eine vollendete Liebe zu diesem Beruf. Stets das Beste zu geben, dafür steht er Pate mit einer absoluten Glaubhaftigkeit.

Mit seinen Büchern hat er dafür eine zusätzliche Arbeit geleistet. Neustes
Projekt, die "Geheimnisse aus seiner 3-Sterne-Küche" (Wild nach Aromen) wurde sogar unlängst mit dem Preis für das weltbeste Kochbuch ausgezeichnet. Wer dieses Kochbuch schon in den Händen gehalten hat, der wird wissen, warum dieses Werk sich zu einem wahren Küchenschatz entwickelt hat – ein Lieblingskochbuch, ohne Frage.

Sein persönliches Resumee aus den prägenden Auslandsaufenthalten in den USA, Hawaii, Tokio, Sydney, Thailand und Frankreich hat Dieter Müller auf die erdenklich beste, oder besser gesagt: köstlichste Art und Weise umgesetzt. Ganz erstaunlich ist die Tatsache, daß sein Kochbuch sowohl Spitzenköche als auch kochbegeisterte Laien inspiriert.

Seine Kochkurse – ein weiteres Highlight für jeden Freund kulinarischer Genüsse – sind hoch begehrt und daher auch schon ausgebucht, kaum das die Termine bekannt gegeben wurden. Sein Amuse bouche Menü versetzt selbst verwöhnteste Gaumen ins Schwärmen – und manche träumen sogar noch davon.

"Altmeister" nennen ihn viele junge, selbst hoch dekorierte Köche. Alt, naja. Das paßt zu diesem vitalen und charmanten Küchenstar eigentlich überhaupt nicht. "Meister" dann schon eher und so sind wir am Ende wieder bei der Überschrift: EIN BOTSCHAFTER DER NEUEN DEUTSCHEN KÜCHE. Schön, das wir einen solchen Vorzeigebotschafter wie Dieter Müller haben.

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