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Michael Kreiling
Everybody`s Darling mit der Lizenz zum Gourmetkoch
Im Alter von 13 Jahren stand Michael Kreiling vor eine schweren, wenn nicht sogar der folgenschwersten Entscheidung seines Lebens. In der Schule wurde er vor die Wahl gestellt mit den Jungs Vogelhäuser zu bauen oder mit netten und zugegebenen Maßen hübschen Mädchen im Hauswirtschaftsunterricht hinterm Herd zu stehen und leckere Gerichte zu zaubern. Nicht nur sein Faible für das weibliche Geschlecht und seine eher mäßiges Interesse an Vögeln beeinflussten die Wahl des Sprösslings auf das, bis dato eher dem weiblichen Geschlecht vorbehaltenen, Fachs "Hauswirtschaft". Nein, das Kochen lag im wohl schon damals im Blut. Von seinen Klassenkameraden musste er daraufhin viel Spott einstecken, er wurde als "Mädchen" belächelt und gehänselt. Doch der Koch in Kindesschuhen nahm es auf die leichte Schulter und hatte schon nach einigen Monaten viele Neider und noch viel mehr weibliche Verehrer.
"Ein Jahr später gab es viele männliche Bewerber für die Hauswirtschaft, aber nicht alle bekamen einen Platz", grinst der heutige Starkoch und damalige "Trendsetter" rückblickend. Schon damals macht es ihm Spaß mit Lebensmittel zu experimentieren und wahnsinnige Geschmacksrichtungen auf die Teller zu zaubern. Einfache Gerichte wie Nudeln mit Tomatensoße reichten dem Gourmet in spe schnell nicht mehr aus und er entwickelte schon früh in einer Art Autoaktie ein tolles Gespür für Lebensmittel und eine außergewöhnliche kulinarische Kreativität.
Der Plan war
also gemacht: der Teenager Michael wollte um jeden Preis Koch werden,
und doch war es nicht einfach sich durchzubeißen. Während sein bester
Freund durch die Schützenhilfe seiner Mutter eine Lehrstelle zum Koch
in einem 4 Sterne Tagungshotel bekam, musste er sich erst mal mit Kartoffeln
schälen und Zwiebel würfeln zufrieden geben. Aller Anfang ist eben schwer.
Und eine weiterer Stein verlangte auf dem Weg in den Kocholymp aus dem
Weg geräumt zu werden: sein Vater. "Mein Vater arbeitet in der Kfz-
Branche und sah auch meine Zukunft schraubend unter eine alten Karre";
verdreht Michael Kreiling schmunzelnd die Augen. Nur gut, dass seine
Mutter ihren Sprössling unterstützte und auch Papa bald grünes Licht
für die Kochkarriere seines Sohnes gab.
Für seine Lehre
wählte der aufstrebende Jungkoch ein Restaurant in einer Burg aus. Das
Ambiente faszinierte ihn und er wollte etwas besonders machen. Dabei
spielte ebenfalls die Qualität des Lehrbetriebes eine große Rolle für
ihn. Da das Restaurant teure Gerichte auf der Karte hatte (und Michael
damals wohl noch etwas grün hinter den Ohren war) assoziierte er die
horrenden Preise sogleich mit Spitzenqualität der Küche. Eine Täuschung,
wie sich schnell herausstellte. So waren in seiner Lehre seine wichtigsten
Werkzeuge Dosenöffner und Schere. Lehrjahre sind nun mal keine Herrenjahre.
Nach der absolvierten Ausbildung flüchtete der Jungkoch Hals über Kopf
aus der Burg der schrecklichen Convinience- Kultur, machte sich auf
zu neuen Ufern und heuerte in einem mit Gault- Millau- Punkten geschmücktem
Restaurant an. "Dort hatte ich meinen ersten Kontakt mit frischem Gemüse",
schmunzelt der sympathische Koch mit einer gewissen Ironie in der Stimme.
Bei seinem neuen Chef fand er den Spaß am Kochen wieder und er hatte
endlich einen beruflichen Mentor gefunden, der seine Leidenschaft am
Kochen neu entfachte.
Der Wahnsinn
nahm also seinen Lauf und eine wahnsinnige und atemberaubende kulinarische
Karriere begann. Seine Gourmetreise ging durch die die besten Küchen
Deutschlands. Er arbeitet ausschließlich in Häuser, die mit Gault-Millau-
Punkten nur so vollgesogen waren. Neben seinem Engagement im 2-Sterne-
Restaurant "Speisemeisterei" in Stuttgart "schaffte" der gebürtige Hesse
nicht nur auf festem Boden, sondern auch auf hoher See. Mit dem Luxusdampfer
Aida blu stach Kreiling 2004 in See und leistetet einen großen Anteil
an der späteren Auszeichnung zum besten Schiffsrestaurant Deutschlands.
"Die Arbeit in der Gourmetgastronomie hat mich sehr geprägt und meine
zahlreichen Mentoren haben allesamt ihre Wirkung hinterlassen", erinnert
er sich an seine Zeit auf kulinarischer Wanderschaft. Dabei kristallisierte
sich Kreiling immer mehr zum Rohdiamanten heraus. Ein Rohdiamant, der
auch unter Star- und Sternekoch Harald Wohlfahrt im Restaurant "Schwarzwaldstube"
geschliffen und mittlerweile nach allgemeiner Meinung der Gourmetexperten
zum Brillant gereift ist. Da der Reiz der selbstständigen Küchenleitung
immer größer wurde, absolvierte Kreiling 2004 mit Erfolg die Prüfung
zum Küchenmeister unter Günther Rachfahl. Nicht nur durch die mit Bravour
bestandene Prüfung hatte sich Kreiling schon längst einen Namen in der
Kochszene gemacht: seine charismatische und sympathische Art und die
vielen hochdotierten Stationen im Lebenslauf zeichnen das Ausnahmetalent
nicht minder aus, als seine Erfolge, die er unter anderem als Küchenchef
im Restaurant "Graugans" im Kölner Hyatt Regency und der „Kameha Suite“
feierte. Seine euroasiatische Küche ist mittlerweile bei Gourmetfans
berühmt, berüchtigt und vergöttert.
Inzwischen arbeitet er für das neue Produkt von Hyatt, dem ersten „ Andaz“ in der Liverpool Street in London.
Und dennoch
beschränken sich seine Talent nicht ausschließlich auf die Zubereitung
wahrer Gaumenfreuden. In seinen Kochkursen begeistert er seine "Schüler"
mit seiner Kochkunst, bringt sein Wissen leicht verständlich an den
Mann und macht selbst aus dem größten Kochmuffel schnell einen Kochlöffelveteranen.
Doch auch ein Profi lernt nie aus und muss hin und wieder die Koch-
Schulbankdrücken. Neben Dessert- und Pralinenseminaren durfte der Spitzenkoch
auch der Koch- Koryphäe Ferran Adria schon über die Schulter schauen.
"Es ist immer wieder faszinierend anderen Sterneköchen in die Kochtöpfe
zu schauen und seinen Kochhorizont zu erweitert", schwärmt er von den
Begegnungen mit den ganz Großen mit einem Strahlen in den Augen. Man
merkt ihm die Begeisterung und die Leidenschaft am Koch ohne Zweifel
an. Michael Kreiling ist einfach Koch mit Haut und Haare und gerade
das ist wohl sein Erfolgsrezept.
Doch auch wenn
der humorvolle Hesse mal nicht hinterm Herd steht, in seinen über 300
Kochbüchern schmökern oder voller Ehrgeiz an einer neuen Kreation pfeilt,
hat er einige Hobbys, die nichts mit Kochen am Hut haben. Neben Musik,
Cabrio fahren, Fußball und Reisen, hat er eine relativ atypische Leidenschaft
für einen Mann: er geht gerne shoppen und sucht dabei nicht nur nach
einer neuen Kochschürze oder neusten Spitzenmessern, sondern stöbert
gerne in den zahlreichen Modegeschäften, die seine derzeitige Heimat
Köln zu bieten hat. Ein Mann mit einem außergewöhnlichen Geschmack eben
und das nicht nur was ums Kochen geht. "Ansonsten gebe ich gerne Geld
aus, um bei den Stars essen zu gehen", erzählt Michael Kreiling weiter,
der auch in seiner raren Freizeit einfach nicht "ohne" kann.
Dabei stehen
die Zeichen nicht schlecht, dass er selbst bald zu der absoluten Elite
unter den Spitzenköchen gehört und einer der Stars wird, die er selber
so bewundert.
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