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KOLJA KLEEBERG

Lustspiele am Herd

Mit 12 Lenzen zerlegte er bereits seinen ersten Karpfen. Dieser Akt zumindest hat ihn nicht so sehr beeindruckt, daß er solche und ähnliche Arbeiten zu seinem beruflichen Alltag zählen wollte. Denn nach bestandenem Abitur sah es 1983 so aus, als wollte Gerhard Nikolaus Kleeberg sich in eine ganz andere Reihe von Stars und Sternchen einreihen:

Sein Traum, einmal als Schauspieler auf einer der ganz großen Bühnen dieser Welt zu stehen, ist von Talent gestützt. Also nimmt Kolja Gesangsunterricht und bekommt auch kleinere Rollen am Stadttheater in Koblenz. Seine Bewerbungen bei renommierten und auch weniger renommierten Schauspielschulen enden schließlich bei einer Privatakademie in München. Phantasie hatte er reichlich und konnte sich so auch gut vorstellen, ein Hund zu sein ... wenn’s die Rolle denn verlangt ... "Wuff bellend saßen alle Schauspielaspiranten auf dem Boden" sagt Kolja Kleeberg über seinen letzten "Auftritt", bevor er dann endgültig Reißaus nahm.

Das war nicht seine Welt, das waren auch nicht seine Illusionen von Menschen, die Pessimismus sorgsam pflegen sowie ihren ureigenen Egoismus – ohne jedes Verständnis für ihre Mitmenschen.
Also fand er sich zwei Wochen später als Auszubildender für den Beruf des Koches im Bonner Spitzenrestaurant "Le Marron" wieder und fühlte: Hier und jetzt ist die Welt wieder in Ordnung.

Nach seiner Lehre blieb er zunächst dort als Commis Saucier, Commis Patissier und Chef Tournant, bevor er dann im Restaurant Friesdorfer Hof in Bonn tätig war. Bei Rino Casati in Köln und bei Eduard Hitzberger im Chesa Pirani, La Punt, Schweiz, verfeinerte er seine Fähigkeiten und wurde dann bei Eduard Hitzberger im Hotel Haus Paradies Souschef.
Drei Jahre lang wagte er den Sprung in die Selbständigkeit mit den Restaurants Gut Sarnow und Am Karlsbad und bekam 1996 das Angebot, als Chef de cuisine das Edelrestaurant "Vau" zu leiten.

Bühnenreif ist sodann das Kunststück, gleich im ersten Jahr einen Michelin-Stern zu erhalten, dem dann viele weitere Auszeichnungen folgten. Eine Erfolgsgeschichte, die bis heute nicht abgerissen ist und ohne Starallüren darf Kolja Kleeberg von sich behaupten, das "VAU" binnen kürzester Zeit zu einer der beliebtesten Gourmetadressen dieser Hauptstadt gebracht zu haben. "Eine klare und moderne Küche wird im Vau serviert" lautet die Interpretation seines Küchenstils. "Ein Häppchen; eine Winzigkeit eines Bissens in exquisit zubereitete Gaumenfreuden kann schon in den siebten kulinarischen Himmel entführen." Die auf spielerische Weise auf die Teller gebrachten Gaumenfreuden haben Sinn: "Nichts aneinander gereihtes, sondern harmonisch aufeinander abgestimmtes sind die zwingende Logik für einen guten Geschmack". Kolja Kleeberg weiß, was er kann, was schmeckt und vor allem: was den Gästen schmeckt, denn für die kocht er ja schließlich und für die kommt er auch allzu gern hinter den Kulissen hervor nach vorne – zu seinem "Publikum" – auf der Schürze noch die Flecke und Spuren der Dramen und Lustspiele am Herd.

Spät am Abend, wenn die Türen des Restauranttheaters geschlossen sind, oder auch in seiner freien Zeit, wird Berlin dann zur Bühne:
Anzüge, Oberhemden und Krawatten werden dann ausgeführt; Berlin ist immer eine Reise wert, Berlin schläft nie, Berlin Berlin. "Ich genieße es, einfach in der Stadt herum zu laufen" kommentiert Kolja diesen liebenswerten "Spleen" und nutzt seine ansonsten knapp bemessene Freizeit zum entspannen: Beim Hören von Musik und auch beim Lesen.

Eine unerwartete neue Rolle wurde ihm kurz vor Jahresende 2000 angeboten: Den "Maitre Frühstücksfernsehen" im Kochstudio von SAT 1 zu spielen. Die Interpretation seiner modernen Kochkunst via TV treiben ihn dann um einige Stunden früher aus dem Bett – der Name sagt es schon: "Früh" beginnt das (Bühnen)-Stück und ein guter Entertainer "schaukelt" auch ungewohnte Rollen.

Der an drei Wochentagen herumwerkelnde kulinarische Ambassador des Frühstückfernsehns wird mit Sicherheit ein buntes Kochprogramm in manch´ ratlosen Kochhaushalt bringen.
Bei Koljas persönlichem Credo "Kochen macht sexy und Essen macht glücklich" erübrigt sich jede weitere Animation, es ihm nach zu tun.

Sedcard von Kolja Kleeberg (PDF)

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