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Die ultimativen Gourmet-Tempel

Eine kulinarische Safari durch die Restaurant-Landschaft der Hauptstadt: Unsere 13 Besten

von Nikolas Rechenberg

Restaurants hat Berlin genug - wie Sand am Meer. Gute Restaurants sind Mangelware. Echte Luxus-Tempel, wo der Genießer schwelgen und auf eine kulinarische Reise gehen kann, sind rar. Wie gute Sonnenuntergänge. Dabei ist ein guter Restaurant-Besuch wie ein schöner Urlaubstag. Und natürlich genauso teuer. Wir haben die besten Gourmet-Tempel Berlins ausgesucht. Mit der größten Trefferquote für formvollendetes Speisen, mit magischem Ambiente und extrem gutem Service - Sie haben es sich verdient!

Die dreizehn Restaurants auf dieser Seite haben eines gemeinsam: Es stehen Meisterköche am Herd. Wer hier nicht dabei ist, muss sich anstrengen: Es gibt eben Champions League oder Bundesliga-Mittelfeld. Die neuen Meisterköche 2003 werden von der Jury von "Partner für Berlin" am 12. September bekannt gegeben.

Das "Vitrum" im Ritz Carlton eröffnet übrigens im Januar - mit Thomas Kellermann (Ex-Portalis) als Küchenchef!

Wer es ein wenig unspektakulärer, also intimer wünscht, der versucht sein Glück im "Alt Luxemburg", bei "Ana e Bruno", in den "Kaiserstuben" oder der "Remise". Wer noch mehr Wert auf Rummel legt, dem garantieren wir bunte Erlebnisse im "Vox" und "Felix", im "Bocca di Bacco" und "Borchardt", im "Lutter & Wegner" und "Aigner", in der "Paris Bar" und der "Yva-Suite", im "Il Calice" und dem "Maxwells". Wenn Sie lieber Bier und Chips auf dem Sofa essen, haben Sie schon viel zu weit gelesen.

Margaux

Das Margaux am Pariser Platz ist der Gralshüter der Moderne, Michael Hoffmann reitet die Avantgarde. Stünde das mondäne Restaurant in Paris oder Barcelona, hätte es längst zwei Michelin-Sterne. Spaß ohne Pomp, Eleganz ohne Provinzialität. Sollte man einmal im Leben besucht haben. Hoffmann war "Koch des Jahres", sein kongenialer Sommelier Rakhshan Zhouleh führt den Gast in die Poesie des Weines ein. Die Karte bietet so herrlich erfrischende Raffinessen wie Glattbutt mit Badoitgelee und Olivenöl (Tel: 2265 2611)

Vivaldi

Das alte Schlosshotel im Grunewald ist ein verwunschener, magischer Ort, so auch sein Restaurant "Vivaldi". Drinnen erinnert der Prunk an Ducasse in Monte Carlo. Wer im Sommer auf der Terrasse isst oder im Winter das Dessert im Foyer zu sich nimmt, ist ein Gourmet-Fürst. Küchenchef Christian Lohse hatte es schwer, als er am Herd im "Regent Schlosshotel" anfing. Mit zwei Michelin-Sternen in der Provinz verwöhnt, wirkte seine Kunst in Berlin blass, er bekam ein paar Gault-Millau-Punkte zugeworfen. Lohse hat sich nach zehn Monaten enorm gesteigert und wird zur Küchenparty am 7. September auftrumpfen (Tel: 89 58 45 20)

Louis

Ein Jahr kocht Risotto-Weltmeister Holger Zurbrüggen in dem neuen "Louis" im "Steigenberger". Asiatisch, italienisch, eine tolle Mischung, die Aromenknospen auf der Zunge explodieren. Direktor Hans Kauschke sorgt dafür, dass Zurbrüggen auf dem Laufenden bleibt, und spendiert ihm wochenlange Kochkurse in Singapur und Kuba. Klasse. Hinzu kommt ein international angehauchter Service und der kompetente, alles wissende Sommelier Anton Stefanov, der mit Zurbrüggen wundervolle Wine-&-Dine-Veranstaltungen hinlegt (Tel: 2127-706).

First Floor

Das "First Floor" im "Palace" ist der Anführer der Klassiker. Und somit auch ein heißer Kandidat bei den diesjährigen Berliner Meisterköchen! Gediegene Atmosphäre des einst mächtigen West-Berlin, vergleichbar mit der Seriosität Hamburger Etablissements. Matthias Buchholz ist ein zupackender Koch. Seit der Geburt von Töchterchen Magdalena ist er entspannter und strahlt aus seinen blauen Augen ohne den verbissenen Ehrgeiz früherer Zeiten. Mit toller Unterstützung von Hoteldirektor Kurt Lehrke. Da macht das Speisen wieder Spaß, wie ab und an mit Buchholz' legendärer Ochsenbacke (Tel: 2502-0).

Quadriga

Die "Quadriga" ist ein Hideaway. Diese schöne englische Bezeichnung steht für romantische Verstecke: der Wintergarten um den Japanischen Garten, Lustwandeln unter Efeu, das Plätschern der Brunnen - wer im Hotel "Brandenburger Hof" nicht gern weilt, ist nirgendwo zu Hause. Hier findet am 6. September wieder das Präsidenten-Dinner des Verbands der Prädikatsweingüter statt. Manchmal fehlt Meisterkoch Wolfgang Nagler das Selbstvertrauen und die Begeisterung, er schaut zu viel auf fremde Ehrungen. Hat er das nötig?! Zum ersten Präsidenten-Dinner vergangenen Jahres - als die ausschließlich mit deutschen Gewächsen bestückte Weinkarte vorgestellt wurde - sprang er aus sich heraus und kochte ein Zwei-Sterne-Menü. Traumhaft ... wenn er das nur immer täte (Tel: 214.05-650).

Facil

Das "Facil" im fünften Stock des "Madison" am Potsdamer Platz ist eine Oase. Tagsüber vorbeischauen, wenn das Licht des Himmels sich mit der Luft der Terrasse bricht und sich mit den Gerüchen von den formschönen Tellern vermählt. Der Bambus um den gläsernen Tempel vereint Zen mit Metropole, sein Feng Shui ist einzigartig. Nahtlos verlief die Stabübergabe von Rene Conrad an Michael Kempf, mit gleich heißer Eruption geht es weiter. Der Zögling von Drei-Sterne-Meister Dieter Müller hat souveräne Klasse (Tel: 5900 51234).

Seasons

Das "Seasons" ist das (noch) am meisten unterschätzte Gourmet-Restaurant der Stadt. Vielleicht weil die Köche zu oft wechselten und sich keinen Namen machten. Der beste bisher ist Drew Deckman, eher Philosoph als Koch. Seine kleinen Traktate auf dem Teller sind Kunstwerke, aromatisch kreativ wie seine genial gebratene Gänsestopfleber auf mariniertem Hummer. Wow. Dazu perfekter Service - für mich die Entdeckung des Jahres! Auch im Seasons ist amerikanische Lässigkeit eingekehrt, gutes Hemd plus Sakko reicht. Der Platz für romantische Stunden zu zweit bei Kerzenschein. Wo bleibt der Champagner? (Tel: 20 33 63 63)

Lorenz Adlon

Vielleicht zu schwer das Ambiente, das einem erst mal die Luft nimmt, schließlich muss der Gast den Sprung von der Jetztzeit ins vorvergangene Jahrhundert überstehen. Was die Küchenleistung des "Lorenz Adlon" nicht schmälert. Die ist seit drei Jahren unter der Regie von Thomas Neeser exzellent. Die Desserts von Patissière Renate Bruckner sind Spitzenklasse. Hoteldirektor Jean K. van Daalen und Küchendirektor Rainer Sigg garantieren das Niveau. Wer Doktortitel, Hochzeitstag und Firmenjubiläum Kennedy-mäßig wie im amerikanischen Upperclass-Osten zelebrieren will, der muss ins "Lorenz Adlon" (Tel: 2261-0).

Rutz

Das "Rutz" ist ein Pilgerziel für Weinfreunde. Kein Wunder, der Maître ist einer der besten Sommeliers der Stadt. Lars Rutz hat seine Idee der 1001 Weine in schweren Zeiten umgesetzt. Elegantes Restaurant mit unkomplizierter und junger Atmosphäre. Meisterkoch Ralf Zacherl ist dazu die perfekte Ergänzung. Der ehemals jüngste Sternekoch Deutschlands ist als TV-Koch bekannt. Schauspielerisch kann er Fernseh-Koch Jamie Oliver zwar nicht das Wasser reichen. Aber seine Speisen sind einfach göttlich, wie sein Cassoulette von Kaninchen und Augenbohnen (Tel: 24 62 87 60).

Restaurant 44

Tim Raue ist nicht unterzukriegen. Nach dem tränenreichen Verlust seines geliebten "E.T.A. Hoffmann" gab er nicht Ruhe und hörte nicht auf zu strampeln, bis er wieder Butter unter den Füßen hatte. Legt im Design-Restaurant "44" im "Swissotel" einen furiosen Start hin und macht beim Davidoff-Gourmet-Festival mit. Die Rosenthal-Gedecke sind erstklassig, der Blick auf den Kurfürstendamm fulminant. Die Karte vereint Moderne und Klassik - einmalig bisher in Berlin. Links die "Evolution" mit Languste auf Süßholz, Jacobsmuschel in Eukalyptusessig oder Wallerfilet auf Nori-Algen, rechts die "Tradition" mit gebratener Gänsestopf und Lammrücken auf Couscous. Einfach hin und her essen und nicht mehr aufhören (Tel: 220 10-22 88).

Vau

Das "Vau" am Gendarmenmarkt ist erwachsen geworden. Nicht mehr Spielerei, sondern Geschmack pur bestimmt die Linie. Sie harmoniert wunderbar mit der Inneneinrichtung: geradlinig und elegant. So wie kürzlich das Pfirsich-Tomaten-Süppchen mit zerhackten Taschenkrebsen, das man kellenweise zu sich nehmen wollte. Im Sommer ist der intime Innenhof regelmäßig ausgebucht und bietet eine ideale Showbühne für Super-Sommelier Hendrik Canis und Meisterkoch Kolja Kleeberg. Wenn der gut drauf ist, erzählt er Anekdoten bis in den frühen Morgen. (Tel: 202 9730).

Harlekin

Ein altbekannter Klassiker ist Kurt Jäger in seinem neuen, alten Restaurant Harlekin im "Esplanade". Das hässlichste Restaurant der Stadt, pardon, aber ein Hort verdammt guten Essens. Sein Limousin-Lamm in Kürbiskernbutter ist eine Offenbarung. Wer es in dem skurrilen Bahnhofsrestaurant nicht mehr aushält, geht einfach nebenan in "Harry's New York Bar" zum zweiten Dessert über. Wenn Jäger nicht wieder seinen Stern erhält, wird ein Michelin-Führer (oder gar Kritiker?) exemplarisch in der Spree vor dem "Esplanade" versenkt. Die Presse ist bereits eingeladen.

Hugos

Das "Hugos" hat den besten Lauf derzeit. Erst der furiose Umzug vom Keller unters Dach des "Interconti", jetzt wurde es zum Restaurant des Jahres in ganz Deutschland vom Magazin "Der Feinschmecker" gekürt. Dabei ist Küchenchef Thomas Kammeier völlig unprätentiös und zurückhaltend. Der Gast gibt bereits Gas auf der Fahrt mit dem Lift in den 13. Stock, wo die grandiose Aussicht auf das Regierungsviertel und den Potsdamer Platz wartet. Wie in Hongkong aus dem "Peninsula". Dann schaut man mit einem Glas Champagner oder dem Trend-Wein Sancerre Rosé aus dem Fenster und träumt neben den großformatigen Foto-Kunstwerken von der sich rasant entwickelnden Gourmet-Metropole Berlin ... bis er vom immer vergnügten Maitre Olaf Rode sanft zu Tisch gebeten wird. Dann kann er bei der himmlischen Mieral-Taube mit gebratener Gänsestopfleber weiterträumen (Tel: 2602 1263).



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